RÜCKBLICK
KEYPLAYER X CHANGE
Geopolitische Resilienz 2025

Geopolitische Risiken sind zur strategischen Realität geworden. Sie betreffen heute nicht nur die Außenpolitik, sondern ganz konkret Entscheidungen über Standorte, Technologien, Lieferketten und Märkte. Für Unternehmen mit internationalem Anspruch wächst der Handlungsdruck. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Orientierung auf Augenhöhe.

Vor diesem Hintergrund luden KEYPLAYER und Struktur Management Partner gemeinsam zu einem exklusiven Abend für Mitglieder der Geschäftsführung, Beiräte, Inhaberfamilien und andere strategische Entscheiderinnen und Entscheider am 8. Oktober nach Schloss Solitude bei Stuttgart ein.

Die Welt tritt laut Geopolitik-Experte Ansgar Baums in eine Phase zunehmender Unsicherheit und Bipolarität zwischen den USA und China ein, wobei Staaten unterschiedliche Rollen zwischen den Polen einnehmen. Zugleich zeigen Pandemie, Ukraine-Krieg und Handelskonflikte das Ende der stabilen, stark globalisierten Ordnung der letzten Jahrzehnte. Unternehmen müssen daher geopolitische Risiken stärker einplanen, Lieferketten diversifizieren und durch Szenarioanalysen ihre Resilienz insbesondere in Hochtechnologiebereichen erhöhen.

Wir danken Herrn Ansgar Baums, Struktur Management Partner und unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den äußerst inspirierenden Austausch sowie für wertvolle Impulse.

_IMPULSGEBER DES ABENDS

Ansgar Baums

Autor von Die Stunde der Nashörner

Ansgar Baums zählt zu den profiliertesten Stimmen für geopolitisch orientierte Unternehmensstrategie in Europa. In seinem Impuls zeigte er, wie Unternehmen geopolitische Risiken frühzeitig erkennen, strukturiert einordnen und daraus konkrete Handlungsfähigkeit entwickeln können – jenseits abstrakter Theorien, mit Fokus auf unternehmerischer Praxis.

#GEOPOLITIK #BIPOLARITÄT #USA #CHINA #SCO #LIEFERKETTEN #RESILIENZ #RISIKOMANAGEMENT #HOCHTECHNOLOGIE #KI

Zentrale Takeaways

Geopolitische Resilienz als unternehmerische Kernkompetenz

Ansgar Baums gab uns einen fundierten Einblick in die wachsende Bedeutung geopolitischer Entwicklungen für unternehmerische Entscheidungen. Seine zentrale Botschaft: Geopolitik ist längst kein abstraktes Umfeldthema mehr, sondern ein operativer Faktor, der tief in Wertschöpfung, Strategie und Organisation von Unternehmen eingreift.

Ausgangspunkt seiner Analyse ist eine zunehmende Instabilität der globalen Ordnung. Nach Jahrzehnten relativer Stabilität – insbesondere während der Phase des „unipolaren Moments“ nach dem Kalten Krieg – befindet sich die Welt heute in einer Phase geopolitischer Fragmentierung. Die bisher gültigen Prinzipien liberaler Globalisierung, offener Märkte und regelbasierter multilateraler Zusammenarbeit geraten zunehmend unter Druck.

// Vom globalen Gleichgewicht zur geopolitischen Fragmentierung

Baums beschreibt die aktuelle Entwicklung als „geopolitische Rezession“. Die internationale Ordnung verschiebt sich von einer weitgehend offenen, global integrierten Struktur hin zu einem zunehmend multipolaren, teils antagonistischen System. Insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen westlichen Staaten und aufstrebenden Mächten wie China führt zu neuen Blockbildungen – mit direkten Auswirkungen auf Märkte, Technologien und Lieferketten.

Dabei spielt Technologie eine Schlüsselrolle: Sie ist nicht nur Treiber von Produktivität und Wachstum, sondern zunehmend auch ein Instrument geopolitischer Machtprojektion. Historisch wie gegenwärtig gilt, dass technologische Überlegenheit maßgeblich über die relative Stärke von Staaten entscheidet.

// „Geotech Statecraft“: Technologie als geopolitisches Instrument

Ein zentrales Konzept des Vortrags war das sogenannte „Geotech Statecraft“ – also die gezielte Nutzung technologischer Wertschöpfungsketten für geopolitische Zwecke. Staaten greifen dabei auf ein breites Instrumentarium zurück: Exportkontrollen, Investitionsbeschränkungen, Zölle, Unternehmenssanktionen, Datenlokalisierung oder regulatorische Eingriffe in Personalstrukturen.

Diese Maßnahmen führen dazu, dass Unternehmen zunehmend zwischen politischen Systemen und regulatorischen Anforderungen navigieren müssen. Die Folge ist eine wachsende Komplexität in globalen Geschäftsmodellen, insbesondere für technologiegetriebene Unternehmen mit internationaler Präsenz.

Der „geopolitische Unternehmensansatz“

Vor diesem Hintergrund plädiert Baums für ein neues Leitbild: das „geopolitische Unternehmen“. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass es geopolitische Entwicklungen systematisch in seine Steuerung integriert, von der strategischen Planung bis in operative Prozesse.

Konkret bedeutet dies, geopolitische Risiken nicht nur zu beobachten, sondern aktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Unternehmen müssen Fähigkeiten entwickeln, um flexibel auf unterschiedliche regulatorische Räume zu reagieren, ihre Wertschöpfung zu lokalisieren oder – wo notwendig – bewusst zu trennen („Bifurkation“). Dazu gehören unter anderem:

  • Anpassungsfähige Lieferketten

  • differenzierte Marktstrategien

  • resiliente IT- und Dateninfrastrukturen

  • sowie institutionalisierte Risiko-Früherkennung

// Der „Corporate Thukydides Trap“ – Spannungen zwischen Wirtschaft und Politik

Ein besonders prägnanter Gedanke des Vortrags war der sogenannte „Corporate Thukydides Trap“. Während Unternehmen traditionell von offenen Märkten profitieren, stehen sie zunehmend im Spannungsfeld nationalstaatlicher Interessen. Konflikte zwischen wirtschaftlicher Rationalität und politischer Regulierung werden damit wahrscheinlicher und stellen Führungskräfte vor grundlegende strategische Zielkonflikte.

// Die Zukunft: Eine bipolare Technologie-Welt

Langfristig zeichnet sich laut Baums eine strukturelle Zweiteilung der globalen Technologie-Landschaft ab. Statt eines einheitlichen, global integrierten Systems entstehen parallele technologische Ökosysteme, insbesondere zwischen China und dem Westen. Diese Entwicklung betrifft die gesamte IT-Wertschöpfungskette, von Halbleitern über Cloud-Infrastruktur bis hin zu Plattformen und Künstlicher Intelligenz.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Organisation, ihre Technologien und ihre Märkte zunehmend entlang geopolitischer Linien ausrichten müssen.

Fazit: Orientierung in einer neuen Realität

Der Impuls von Ansgar Baums machte deutlich, dass geopolitische Resilienz heute eine zentrale Führungsaufgabe ist. Unternehmen, die frühzeitig ein strukturiertes Verständnis geopolitischer Dynamiken entwickeln und daraus konkrete Handlungsoptionen ableiten, verschaffen sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Die Veranstaltung unterstrich damit eindrucksvoll den gemeinsamen Anspruch von KEYPLAYER und Struktur Management Partner (SMP), strategischen Entscheiderinnen und Entscheidern Orientierung auf Augenhöhe zu bieten – in einer Welt, in der geopolitische Risiken zur dauerhaften Realität geworden sind.

DAS GEOPOLITISCHE RESILIENZ TEAM VON

KEYPLAYER

Sebastian Bretag

SEBASTIAN
BRETAG

CEO

Sebastian Bretag verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in Unternehmensberatungen, der Restrukturierung, im General sowie im Interim Management. Heute begleitet er als Geschäftsführer der KEYPLAYER Interim Management GmbH & Co. KG mittelständische Unternehmen und Private-Equity-Gesellschaften als Trusted Advisor bei der Lösung schwieriger Managementaufgaben sowie bei der Besetzung von Schlüsselpositionen.

DANIEL
SPOO

PARTNER & DIRECTOR MASCHINEN- UND ANLAGENBAU

Daniel Spoo verfügt über nahezu 15 Jahre Erfahrung in der produzierenden Industrie, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automatisierungs- und Elektrotechnik. Sein Fokus liegt auf Restrukturierungs-, Transformations- und Performance-Projekten sowie der Besetzung von Top-Management-Positionen. Zuvor war er als Director, Unternehmer und in führenden Rollen bei einer Bank und einer globalen Internetplattform tätig.

Carla Swayne

CARLA
SWAYNE

DIRECTOR INDUSTRIALS

Carla Swayne ist eine erfahrene Expertin im Bereich Change Management mit einem besonderen Fokus auf Veränderungsprozesse im produzierenden Umfeld. Sie verfügt über umfangreiche Expertise in der Begleitung von Unternehmen durch komplexe TransformationsprozessE. In den letzten Jahren begleitete Frau Swayne branchenübergreifend deutsche KMUs und Konzerne bei der Bewältigung schwieriger Unternehmenssituationen.

UNSER PARTNER:

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GEORGIY
MICHAILOV

MANAGING PARTNER STRUKTUR MANAGEMENT PARTNER

Georgiy Michailov studierte Betriebs- und Volkswirtschaft in Usbekistan und Freiburg. Seit seinem Einstieg bei SMP durchlief er alle Karrierestufen bis zum Managing Partner. Er verantwortet u. a. Strategie, Vertrieb und Marketing und ist spezialisiert auf Turnaround, Wachstum und Geschäftsmodelle. Mit über 75 Mandanten gilt er als erfahrener Berater im gehobenen Mittelstand mit internationaler Ausrichtung.

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