AUSBLICK
AUTOMOTIVE
LEADERSHIP
AUTOMOTIVE TRANSFORMATION
KÖLN
29-APR-2026
Die zweite Etappe des
KEYPLAYER-LEADERSHIP FORUM 2026:
„Strategische Exzellenz
in Operations & Finance“
_Zweite Etappe 2026: Automotive Leadership Forum
Eines wurde beim Automotive Leadership Forum von KEPLAYER und FTI-Andersch am 29. April in der MOTORWORLD Köln deutlich: Die Substanz der deutschen Automobilindustrie ist da, aber wir müssen schneller, mutiger und innovativer werden.
Gemeinsam mit den Kollegen Gero Güllmeister und Daniel Enders von FTI-Andersch, Martin Tjan und Alexander Kujumdshiev von KEYPLAYER sowie einer starken Runde aus knapp 30 Automotive C-Level-Entscheidern haben wir tief in die Themen geblickt, die die Branche gerade bewegen.
Einblicke in unsere
Diskussionsrunde
Strukturelle Herausforderungen für die deutsche Automobil-
zulieferindustrie
// Ein Markt unter massivem Veränderungsdruck
Die deutsche Automobilzulieferindustrie steht vor einer tiefgreifenden strukturellen Transformation. Während in Deutschland derzeit noch (etwas) Geld verdient wird, geraten die Margen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Überkapazitäten im Markt, die den Wettbewerb verschärfen und die Preissetzungsmacht vieler Zulieferer schwächen.
Ein zentrales Risiko liegt in der zunehmenden Austauschbarkeit vieler Produkte. Wer im Commodity-Geschäft tätig ist und keine klaren Alleinstellungsmerkmale besitzt, gerät besonders stark unter Druck. OEMs können Lieferanten leichter ersetzen, während Preis, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit immer stärker zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren werden.
// China als struktureller Wettbewerber
Besonders deutlich zeigt sich der Wettbewerbsdruck im Vergleich mit China. Chinesische Unternehmen übernehmen herausfordernde Themen, etwa im Maschinenbau oder in der Fertigungstechnologie, häufig selbst, anstatt sie extern zuzukaufen. Dadurch erreichen sie eine deutlich höhere Umsetzungsgeschwindigkeit und niedrigere Kosten.
Hinzu kommt, dass chinesische Regionen lokale Unternehmen aktiv durch Subventionen, Protektionismus und industriepolitische Unterstützung fördern. Auf vergleichbare Maschinen und mit ähnlichen Prozessen lassen sich in China Kostenreduzierungen von bis zu 40 Prozent erzielen. Für europäische Unternehmen ist es unter diesen Bedingungen kaum möglich, dauerhaft gegen eine solche Preispolitik zu bestehen.
Auch die Ankunft chinesischer OEMs in Europa wird die Lage verändern. Kurzfristig können sich daraus Chancen für europäische Zulieferer ergeben, etwa beim Aufbau lokaler Lieferketten. Langfristig ist jedoch davon auszugehen, dass chinesische Hersteller ihre eigenen Zulieferer nach Europa mitbringen und damit die bestehende Lieferantenbasis zusätzlich unter Druck setzen.
// Deutschland als Produktionsstandort unter Druck
Eine der zentralen Fragen lautet, ob Autos in Zukunft überhaupt noch in Deutschland in nennenswertem Umfang gebaut werden können. Chinesische Fahrzeuge haben in vielen Bereichen bessere Chancen, insbesondere dort, wo Kosten, Geschwindigkeit und technologische Integration entscheidend sind.
Einmal verlorene Kapazitäten und Auftragsumfänge werden voraussichtlich nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Das macht die aktuelle Lage besonders kritisch: Entscheidungen, die heute nicht getroffen werden, können langfristig irreversible Folgen haben.
Hinzu kommen arbeitsmarkt- und tarifpolitische Herausforderungen. Viele Unternehmen sehen große Belastungen durch Gewerkschaften, Betriebsräte und insbesondere die IG Metall. In einer Phase sinkender Margen und notwendiger Restrukturierungen wird dies zu einem wichtigen Hebel, aber auch zu einem erheblichen Spannungsfeld.
Die in 2025 gebildeten hohen Rückstellungen für künftigen Personalabbau bei deutschen Unternehmen deuten bereits darauf hin, dass weitere Personalreduktionen vorbereitet werden. Sie sind weniger als Einmaleffekt zu verstehen, sondern als Ankündigung einer kommenden Anpassungswelle.
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// Verändertes Konsumverhalten und neue Mobilitätslogik
Auch auf der Nachfrageseite verändert sich der Markt grundlegend. Die Frage ist nicht nur, welche Autos künftig gekauft werden, sondern ob Menschen in Zukunft überhaupt noch im bisherigen Umfang Autos besitzen wollen.
Das Fahrzeug verliert zunehmend seine Rolle als Statussymbol in den heranwachsenden Käufergruppen. Es wird stärker zum Gebrauchsgegenstand. Für viele Kunden steht nicht mehr das Auto selbst im Mittelpunkt, sondern die Funktion: individuelle Mobilität. Wenn andere Lösungen denselben Zweck erfüllen und dabei günstiger sind, verliert der klassische Fahrzeugbesitz an Bedeutung.
Damit stellt sich für deutsche OEMs auch die Frage nach dem zukünftigen Produktportfolio. Welche Fahrzeuge, Technologien und Mobilitätsangebote werden künftig noch gefragt sein? Und welche Rolle können deutsche Hersteller und Zulieferer in diesen Wertschöpfungsketten übernehmen?
// Diversifikation als notwendige Antwort
Vor dem Hintergrund sinkender Margen, wachsender Überkapazitäten und zunehmender internationaler Konkurrenz wird Diversifikation zu einer zentralen strategischen Aufgabe. Bestehende Anlagen müssen besser ausgelastet und Kernkompetenzen auf andere Industrien übertragen werden.
Ein Beispiel dafür ist ein mittelständisches Metallverarbeitungsunternehmen: Dort gelang es, Kerntechnologien erfolgreich in andere Industrien zu übertragen. Allerdings zeigte sich auch, dass ein solcher Wandel Zeit benötigt. Zwei bis drei Jahre sind realistisch, bis neue Märkte erschlossen, Kunden überzeugt und stabile Umsätze aufgebaut sind.
Diversifikation ist daher kein kurzfristiger Rettungsanker, sondern ein strategischer Prozess. Unternehmen müssen frühzeitig handeln, bevor der Druck aus dem Kerngeschäft zu groß wird.
// Innovation als Voraussetzung für Differenzierung
Innovationen sind der wichtigste Garant für Alleinstellung. Wer technologisch austauschbar bleibt, wird zunehmend über den Preis definiert. Wer hingegen eigene Entwicklungs- und Forschungskompetenz aufbaut, kann sich vom Wettbewerb absetzen und neue Marktpositionen schaffen.
Dies erfordert jedoch einen langen Atem. Forschung, Entwicklung und Markteinführung brauchen Zeit, Kapital und Risikobereitschaft. Gerade in Deutschland wird diese Risikobereitschaft aktuell häufig nicht belohnt. Das Geschäftsklima fördert wenig Mut, und die Aufnahme zusätzlicher Risiken wird oft eher bestraft als unterstützt.
Trotzdem führt an Innovation kein Weg vorbei. Ohne eigene technologische Positionierung wird die deutsche Zulieferindustrie in den nächsten fünf bis zehn Jahren dem Markt voraussichtlich weiter hinterherlaufen – selbst dann, wenn jetzt umgelenkt wird.
// Künstliche Intelligenz und neue Effizienzpotenziale
Sehr hohe Potenziale liegen in Themen rund um künstliche Intelligenz. KI kann sowohl in der Produktentwicklung als auch in Produktion, Qualitätssicherung, Vertrieb, Planung und Controlling erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen.
Für Zulieferer ist entscheidend, KI nicht nur als technisches Trendthema zu betrachten, sondern als konkreten Hebel zur Verbesserung von Geschwindigkeit, Kostenstruktur und Entscheidungsqualität. Gerade in einem Marktumfeld mit sinkenden Margen kann dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
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// Finanzierungsfähigkeit sichern
Auch die Finanzierung wird für viele Unternehmen schwieriger. Klassische Finanzierer sind zunehmend zurückhaltend und nicht mehr automatisch bereit, Kunden aus der Automobilindustrie zu finanzieren. Leasing als Finanzierungskompetenz allein ist dabei nicht nachhaltig.
Alternative Finanzierungsformen wie Debt Funds können eine Option sein. Sie sind allerdings meist teuer und sollten sorgfältig geprüft werden. In manchen Situationen können sie dennoch alternativlos sein, insbesondere wenn klassische Banken nicht mehr zur Verfügung stehen.
Zugleich zeigt sich die angespannte Lage vieler Lieferanten daran, dass zunehmend auf Vorkasse umgestellt wird – besonders in China. Dies ist ein deutliches Signal für Liquiditätsprobleme und wachsende Unsicherheit in den Lieferketten.
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// Steuerung, Transparenz und Szenariodenken
In Krisensituationen wird finanzielle und operative Transparenz entscheidend. Eine belastbare Deckungsbeitragsrechnung ist unerlässlich, um gegenüber OEMs aussagefähig zu bleiben und Verhandlungen fundiert führen zu können.
Ebenso wichtig ist eine rollierende, monatliche Vertriebs- und Bedarfsplanung. Diese sollte bereichsübergreifend gesteuert und regelmäßig überprüft werden. Nur so lassen sich Veränderungen im Abrufverhalten, Risiken in künftigen Aufträgen und Auslastungslücken frühzeitig erkennen.
Zukünftige Aufträge sollten konsequent in Szenarien gerechnet werden. Unternehmen müssen verstehen, welche Auswirkungen unterschiedliche Volumen-, Preis- und Kostenentwicklungen auf Ergebnis, Liquidität und Kapazitätsauslastung haben. Szenariodenken wird damit zu einem zentralen Führungsinstrument.
Unser Fazit
// Die Branche muss schneller, mutiger und strategischer werden
Die deutsche Automobilzulieferindustrie befindet sich in einer Phase, in der klassische Erfolgsmodelle nicht mehr zuverlässig tragen. Der Wettbewerb aus China, sinkende Margen, Überkapazitäten, steigender Kostendruck und ein verändertes Mobilitätsverständnis stellen das bisherige Geschäftsmodell infrage.
Gleichzeitig ist die Lage nicht aussichtslos. Unternehmen, die ihre Kerntechnologien konsequent weiterentwickeln, neue Industrien erschließen, ihre Kosten- und Finanzierungsstrukturen stabilisieren und Innovationen aktiv vorantreiben, können auch künftig relevante Marktpositionen besetzen.
Dazu braucht es jedoch deutlich mehr Geschwindigkeit und Risikobereitschaft. Wer abwartet, läuft Gefahr, dauerhaft Kapazitäten, Kunden und technologische Relevanz zu verlieren. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob deutsche Zulieferer nur auf die Veränderungen reagieren oder selbst wieder gestaltend in den Markt eingreifen.
Unsere Veranstaltungsreihe hat erneut gezeigt: Der Bedarf an Orientierung, Austausch und belastbaren Impulsen ist groß. Das Automotive Leadership Forum ist ein Format, das diesem Anspruch gerecht wird.
Unsere nächste und vorerst letzte Etappe führt uns am 3. Juni 2026 nach Leipzig. Möchten auch Sie dabei sein? Melden Sie sich gerne bei Alexander Kujumdshiev an unter: a.kujumdshiev@keyplayer.de